80 Jahre Jüdische Gemeinde Hannover:
Jubiläum und feierliche Einweihung
einer neuen Torarolle
80 Jahre Jüdische Gemeinde Hannover: Jubiläum und feierliche Einweihung einer neuen Torarolle
Hannover, Februar 2026 – Am 18. Januar 2026 feierte die Jüdische Gemeinde Hannover ihr 80-jähriges Bestehen seit der Wiedergründung nach der Shoah. Zugleich wurde im Rahmen eines feierlichen Festakts eine neue Torarolle eingeweiht. Die Veranstaltung stieß auf große Resonanz und bot Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Erinnern.
Im Mittelpunkt des Tages standen zwei besondere Anlässe: das Jubiläum der Gemeinde, sowie die Einweihung einer neuen Torarolle, die eigens aus Israel erworben worden war.
Die feierliche Prozession führte die Torarolle unter einem Baldachin in die Synagoge, wo sie anschließend im Toraschrank (Aron HaKodesch) eingesetzt wurde, ein bewegender Moment für die Gemeinde und ihre Gäste.
80 Jahre Gemeindegeschichte und Wiederaufbau
Das Jubiläum würdigte den Weg der Jüdischen Gemeinde Hannover von den Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrer heutigen Bedeutung als religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Institution in der Landeshauptstadt.
Ein Podiumsgespräch mit langjährigen Gemeindemitgliedern und Zeitzeugen bot persönliche Einblicke in die Geschichte, den Wiederaufbau und die Entwicklung der Gemeinde über mehrere Generationen hinweg.
Kulturelles Begleitprogramm und historische Einblicke
Musikalisch begleitet wurde der Festakt vom Litvan-Chor. Eine historische Ausstellung sowie die Galerie der Vorsteher Porträts ermöglichten den Gästen einen vertieften Blick auf Jahrzehnte Gemeindeleben.
Der Tag klang bei einem Empfang aus, der Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen zwischen Gemeindemitgliedern sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kultur und Gesellschaft bot.
Positive Resonanz aus Politik und Gesellschaft
Die Bedeutung des Jubiläums und der feierlichen Einweihung der neuen Torarolle wurde auch von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft hervorgehoben.
Frau Willie Hamburg, Kultusministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Niedersachsen, betonte die historische Verantwortung sowie die Bedeutung des interreligiösen Dialogs:
„Dass sich Jüdinnen und Juden nach dem Holocaust erneut in Hannover niedergelassen und eine Gemeinde aufgebaut haben, war alles andere als selbstverständlich. Es war ein mutiger Schritt und ein starkes Zeichen des Vertrauens. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht enttäuschen. Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz und darf nicht verdrängt oder verharmlost werden. Die Jüdische Gemeinde ist ein unverzichtbarer Teil unserer Stadt und darüber hinaus – sie bereichert unser Zusammenleben durch ihre Kultur, ihren Glauben und ihr Engagement für ein respektvolles Miteinander. Besonders begrüße ich das interreligiöse Engagement der Gemeinde, das Brücken baut und den Dialog zwischen den Religionen stärkt. Zum 80. Jubiläum wünsche ich der Gemeinde von Herzen alles Gute, Zusammenhalt und eine lebendige Zukunft.“
Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay hob die Rolle der Jüdischen Gemeinde für das städtische Zusammenleben hervor und verwies auf die gemeinsame Verantwortung von Stadt und Gesellschaft:
„Die Jüdische Gemeinde ist, 80 Jahre nach ihrer Gründung, ein selbstverständlicher Teil unserer Stadt. Hannover wäre ohne jüdisches Leben ärmer – kulturell, gesellschaftlich und menschlich. Dass sich überhaupt eine Jüdische Gemeinde nach der Shoah hier gegründet hat, ist ein Vertrauensbeweis in uns, aber zugleich auch ein Appell. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass Jüdinnen und Juden sich in Hannover sicher fühlen. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass wir uns an diese Geschichte erinnern. Und wir tragen die Verantwortung dafür, dass jüdisches Leben in Hannover auch weiterhin einen Platz hat!“
Herr Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und langjähriger Gemeindevorsitzender, unterstrich die historische Dimension des Jubiläums. Der Tag markiere die „Wiedergeburt einer großartigen, von den Nazis zerstörten Gemeinde“. Zugleich erinnerte er mit mahnenden Worten an die Verantwortung der Stadtgesellschaft:
„Die Täter waren keine Fremden, sondern Hannoveraner. Das sollten wir bei aller heutigen Freude nicht vergessen.“
Viele Teilnehmende äußerten den Wunsch nach einer Fortsetzung vergleichbarer Formate.
Die Jüdische Gemeinde Hannover dankt allen Mitwirkenden, Helferinnen und Helfern sowie den Gästen für ihre Unterstützung und ihr Kommen.
Fotos von Mikhail Yasnev