07. Oktober. 2023
ERINNERN. GEDENKEN. WEITERLEBEN.
 
Es gibt Ereignisse, die sich nicht einfach in der Vergangenheit zurücklassen lassen. Die Zeit vergeht, Tage und Jahre ziehen vorüber, doch der Schmerz über das Geschehene bleibt. Er lebt weiter in der Erinnerung, in den Schicksalen der Menschen und in den Geschichten, die wir einander immer wieder erzählen.
 
Am 7. Oktober kamen wir erneut zusammen. Nicht nur, um der Opfer zu gedenken, sondern auch, um den Stimmen jener Menschen Raum zu geben, deren Leben sich an diesem schrecklichen Tag für immer verändert hat. Um einen Schmerz miteinander zu teilen, für den Worte oft nicht ausreichen. Und um zu spüren, wie wichtig es gerade in solchen Momenten ist, füreinander da zu sein.
 
An diesem Abend sprach vieles eine stärkere Sprache als Worte.
 
Kunst, Musik und persönliche Schicksale verbanden sich zu einem bewegenden Ganzen – zu einer Atmosphäre, in der Trauer und Mitgefühl ebenso ihren Platz hatten wie Hoffnung.
 
Einen besonderen Eindruck hinterließen die von Dr. Anna Smoliarova vorgestellten Werke.
Die Fotografien und künstlerischen Arbeiten, die sich mit der Tragödie des 7. Oktober auseinandersetzen und bereits bei thematischen Ausstellungen in Tel Aviv zu sehen waren, eröffneten einen sehr persönlichen und berührenden Zugang zum Geschehenen.
 
Zu den bewegendsten Momenten des Abends gehörten die Beiträge junger Mitglieder unserer Gemeinde. Sie lasen auf Deutsch drei Geschichten aus dem dokumentarischen Buch „One Day in October“ – Geschichten von Menschen, die angesichts von Grausamkeit und Tod Mut, Würde und Menschlichkeit bewahrten.
 
Zwischen den Erzählungen erklang Live-Musik. Sie schien dort weiterzusprechen, wo Worte nicht mehr ausreichten. In diesen Momenten der Stille und des Innehaltens blieb jeder für einen Augenblick mit seinen eigenen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen allein.
 
Besonders wichtig war uns, dass an diesem Abend neben den Mitgliedern unserer Gemeinde auch zahlreiche Gäste teilnahmen, die weder unserer Gemeinde angehören noch selbst jüdisch sind. Die Erinnerung an den 7. Oktober darf nicht allein innerhalb der jüdischen Gemeinschaft stattfinden. Mitgefühl, die Bereitschaft, einander zuzuhören, und die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten, verbinden Menschen über Herkunft und Religion hinweg.
 
Es war kein leichter Abend. Es gab Tränen, Schmerz und Trauer. Doch zugleich war da etwas anderes zu spüren: menschliche Nähe, Solidarität und jene stille Hoffnung, aus der wir die Kraft schöpfen, weiterzuleben.
 
Wir gedenken der Opfer.
Wir bewahren ihre Geschichten.
Und wir leben weiter.
 
Unser herzlicher Dank gilt allen, die diesen Abend mit uns geteilt haben. Allen, die gesprochen, musiziert, erzählt und zugehört haben. Allen, die nicht einfach nur gekommen sind, um dabei zu sein, sondern um Anteil zu nehmen.
 
Jüdische Gemeinde Hannover K.d.ö.R.